Pressemitteilung, 02.Oktober 2026
Die am 29. September ausgestrahlte SWR-Dokumentation „Belästigt. Gemobbt. Missbraucht. Soldatinnen in Gefahr?“ macht sichtbar, was innerhalb der Bundeswehr Realität ist: sexualisierte Belästigung, Mobbing, Machtmissbrauch und ein Umgang mit Betroffenen, der sie nach einer Meldung selbst unter erheblichen Druck setzt.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Täter. Die geschilderten Fälle zeigen eine militärische Struktur, in der Hierarchie, Abhängigkeit und der Anspruch auf Kameradschaft dazu beitragen können, dass Betroffene sich gegen Übergriffe nur schwer zur Wehr setzen können.
Natürlich müssen sichere und unabhängige Meldewege geschaffen werden, die Betroffene tatsächlich schützen. Dazu gehören auch Möglichkeiten, Vorfälle außerhalb der eigenen Einheit zu melden.
Aber bei sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt kann die Antwort doch nicht vor allem sein, Frauen und Queers besser darin zu schulen, Übergriffe zu melden. Die Bundeswehr muss an die Ursachen ran: an Strukturen, die sexualisiertes Fehlverhalten begünstigen, an das Verhalten männlicher Kameraden und an eine Führungskultur, die Übergriffe nicht verhindert, sondern sie teilweise noch befördert und sich an Mobbing beteiligt.
Die Verantwortung darf nicht bei den betroffenen Frauen und Queers abgeladen werden. Ziel muss sein, sexualisierte Gewalt zu verhindern, ihr immer zu widersprechen und nicht nur, sie im Nachhinein besser zu verwalten.
Währenddessen versucht die Bundesregierung, die Bundeswehr zur konventionell größten Armee Europas auszubauen und junge Menschen für den Militärdienst zu gewinnen. Seit diesem Jahr werden Jugendliche im Rahmen des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes erfasst; zugleich hat die verpflichtende Musterung bereits begonnen.
Wer die Bundeswehr ausbauen und junge Menschen für den Militärdienst gewinnen oder verpflichten will, muss sich auch damit auseinandersetzen, was sie dort erwartet. Die Erfahrungen aus der SWR-Dokumentation zeigen, dass die Bundeswehr keineswegs der sichere und respektvolle Arbeitsplatz ist, als der sie in ihrer Nachwuchswerbung dargestellt wird.
Eine ehrliche und unabhängige Aufarbeitung der Fälle innerhalb der Bundeswehr sowie sichere und unabhängige Beschwerde- und Meldewege sind notwendig. Vor allem aber braucht es eine Veränderung der Strukturen und der Führungskultur, die sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch begünstigen. Denn sexualisierte Gewalt darf nicht nur im Nachhinein besser gemeldet und verwaltet werden, sie muss verhindert werden.
